Einfach · bodenständig · tut wieder gut
Bratkartoffeln sind ein klassisches Neujahrsessen, wenn der Abend lang war und der Körper nach etwas Ehrlichem verlangt. Knusprige Kartoffeln, weiche Zwiebeln und ein Ei obendrauf – mehr braucht man nicht, um wieder in den Tag zu kommen.
Neujahr ist kein Tag für große Vorhaben. Da steht man oft ein bissl später auf, der Kopf ist noch schwer, und der Körper meldet sich deutlicher als sonst. Man braucht nichts Raffiniertes, sondern etwas, das einen wieder einsammelt. Bratkartoffeln sind genau so ein Essen. Die drängen sich nicht auf, die sind einfach da und machen ihren Job.
Früher hat man am Neujahrstag genommen, was da war. Gekochte Erdäpfel vom Vortag, ein paar Zwiebeln, vielleicht noch ein Ei. Kein Mensch hätte da ein Kochbuch aufgeschlagen. Man hat die Pfanne genommen, Butter heiß werden lassen und auf das Geräusch gehört. Wenn die Kartoffeln leise brutzeln, ist alles richtig. Wenn sie schreien, war man zu ungeduldig.
Grete sagt immer: Bratkartoffeln zeigen, wie jemand kocht. Nicht mit Können, sondern mit Geduld. Wer zu früh wendet, bekommt keine Kruste. Wer zu viel in die Pfanne wirft, bekommt Dampf statt Röstaromen. Und wer glaubt, man spart an der Butter, der soll gleich was anderes machen.
Am Neujahrstag sitzt man damit oft noch im Pyjama am Tisch, das Fenster ein Spalt offen, damit die kalte Luft reinkommt. Der erste Kaffee steht daneben, das Eigelb läuft über die Kartoffeln, und langsam wird wieder alles normal. So fängt ein Jahr vernünftig an.
Bratkartoffeln mit Zwiebeln und Spiegelei - knusprig gebraten, ohne Eile,
- 800 g festkochende Kartoffeln, am besten vom Vortag
- 2 große Zwiebeln
- Salz
- schwarzer Pfeffer
- Butterschmalz oder Butter
- 4 frische Eier
Die gekochten Kartoffeln werden geschält und in Scheiben geschnitten. Nicht zu dünn, sonst brechen sie. Die Zwiebeln werden halbiert und in feine Streifen geschnitten.
In einer großen, schweren Pfanne wird das Fett erhitzt. Es soll heiß sein, aber nicht rauchen. Die Kartoffeln kommen locker hinein und werden zuerst nicht bewegt. Man hört, wie sie leise braten. Erst wenn sie unten Farbe haben, werden sie vorsichtig gewendet. Geduld ist hier wichtiger als alles andere.
Nach einigen Minuten kommen die Zwiebeln dazu. Die Hitze wird etwas reduziert, damit sie weich werden und nicht verbrennen. Jetzt wird gesalzen und gepfeffert. Die Kartoffeln dürfen rundum goldbraun und knusprig sein, die Zwiebeln weich und leicht süßlich.
In einer zweiten Pfanne werden die Eier zu Spiegeleiern gebraten. Das Eiweiß soll gestockt sein, das Eigelb noch weich. Die Bratkartoffeln werden auf Tellern angerichtet, je ein Spiegelei daraufgesetzt und frisch gepfeffert.
Typische Fehler und wie man sie rettet
- Sind die Kartoffeln weich und blass, war die Pfanne zu voll – lieber in zwei Durchgängen braten.
- Sind sie dunkel und bitter, war die Hitze zu hoch – ein Stück Butter und etwas Ruhe helfen oft noch.
- Fehlen Röstaromen, hilft Geduld, nicht mehr Fett.
- Mit etwas Majoran oder Kümmel bekommen die Bratkartoffeln mehr Tiefe.
- Wer mag, gibt am Ende ein paar Speckwürfel dazu.
- Ohne Ei passen auch saure Gurken oder ein grüner Salat gut dazu.
- Reste lassen sich am nächsten Tag noch einmal aufknuspern, aber nur langsam.
