Schwarzwald-Kirschpunsch

Klar · dunkel · Winterwärme ohne Hast

Ein Kirschpunsch für kalte Abende, an denen niemand geplant kommt und doch alle bleiben. Dunkler Rotwein, Sauerkirsche und eine leise Kakaonote bringen Tiefe, ohne schwer zu werden. Sanft erhitzt, nicht gekocht, damit die Gewürze rund bleiben und der Abend langsam wird.

Es gibt Abende, die keinen Namen tragen. Keine Einladung, kein Anlass, kein Programm. Draußen hängt das Grau zwischen den Häusern, drinnen liegt noch die Jacke auf dem Stuhl, weil man sie gleich wieder anziehen wollte. Der Tag war lang, aber nicht wichtig genug, um darüber zu reden. Und genau dann fängt man an, Dinge zu tun, die Wärme machen.

In solchen Momenten steht oft ein Topf auf dem Herd, schwer, emailliert, schon ein bisschen verkratzt vom Leben. Er wartet nicht auf Präzision, sondern auf Geduld. Rotwein kommt hinein, dunkel und ruhig, dann Apfelsaft, der die Schärfe nimmt, und Sauerkirsche, die Farbe bringt. Die ersten Orangenscheiben schwimmen an die Oberfläche, als müssten sie Luft holen.

 Sternanis liegt da wie kleine Sterne, die man nur im Winter ernst nimmt.

Wenn der Herd leise arbeitet und der Dampf gerade sichtbar wird, merkt man, wie sich der Raum verändert. Fenster beschlagen, Stimmen werden langsamer, jemand zieht die Socken aus und stellt sich näher an den Herd. Es riecht nach Orange und Holz, nach etwas Süßem, das nicht klebt. Vanille öffnet sich, nicht laut, eher wie ein Türspalt. Kakao bleibt im Hintergrund, mehr Schatten als Geschmack.

Der Punsch braucht keine Eile. Fünfundsiebzig Grad sind genug. Mehr würde alles kaputtreden. Man rührt einmal um, schaut kurz zu, wie sich der Zucker auflöst, und lässt dann Zeit arbeiten. Genau das ist der Punkt, an dem man nichts mehr verbessern kann, sondern nur noch stören würde.

Draußen gehen Lichter an. Drinnen wird es stiller, nicht aus Höflichkeit, sondern weil der Duft den Ton angibt. Die Sauerkirsche legt sich vorne an, die Gewürze halten Abstand. Ingwer meldet sich kurz, nicht scharf, nur wach. Wenn der Topf vom Herd kommt, ist alles da, was gebraucht wird.

Erst ganz zum Schluss kommt das Kirschwasser dazu. Nicht aus Großzügigkeit, sondern aus Respekt. Es soll nicht verkochen, sondern bleiben. Klar, sauber, wie ein kalter Bach im Wald. In den Bechern landen ein paar Kirschen, mehr braucht es nicht. Vielleicht ein paar Schokoraspel, wenn jemand meint, das Auge müsse auch was haben.

Das Trinken passiert dann fast nebenbei. Niemand hebt an zum Anstoßen. Man nimmt den Becher in die Hand, wärmt sich daran und merkt beim ersten Schluck, dass der Abend doch noch einer geworden ist. Nicht groß, aber gut. Und das reicht.

Schwarzwald-Kirschpunsch - sanft erhitzt, dunkel und rund

  • 750 ml trockener Rotwein
  • 750 ml Sauerkirschnektar
  • 500 ml klarer Apfelsaft
  • 1 Bio-Orange, Abrieb und 6 dünne Scheiben
  • 1 Bio-Zitrone, Zesten und 30 ml Saft
  • 60 bis 80 g Rohrohrzucker oder 60 g Honig
  • 1 Vanilleschote, längs aufgeschlitzt
  • 2 Zimtstangen
  • 4 Sternanis
  • 6 Pimentkörner, leicht angedrückt
  • 2 Gewürznelken
  • 10 g frischer Ingwer in dünnen Scheiben
  • 1 Esslöffel Kakaonibs oder 10 g entöltes Kakaopulver
  • 80 bis 120 ml Kirschwasser
  • 1 kleine Handvoll Sauerkirschen, abgetropft
  • etwas dunkle Schokolade, fein geraspelt
  • 1 kleine Rosmarinspitze

Rotwein, Sauerkirschnektar und Apfelsaft kommen gemeinsam in den Topf. Orangenabrieb, Orangenscheiben, Zitronenzesten und Zitronensaft folgen. Zucker oder Honig werden eingerührt, bis sich nichts mehr am Boden absetzt. Vanille, Zimt, Sternanis, Piment, Nelken, Ingwer und Kakao kommen dazu.

Der Punsch wird langsam auf etwa fünfundsiebzig Grad erhitzt. Es soll Dampf aufsteigen, aber nichts blubbern. Sobald die Temperatur erreicht ist, wird die Hitze klein gestellt. Der Punsch zieht nun zwanzig bis fünfundzwanzig Minuten. In dieser Zeit verbindet sich alles, ohne scharf zu werden. Rühren ist nicht nötig, ein gelegentlicher Blick reicht.

Nach der Ziehzeit kommt der Topf vom Herd. Gewürze und Vanilleschote werden mit einer Kelle oder einem Sieb entfernt. Jetzt wird abgeschmeckt. Fehlt Frische, hilft ein Spritzer Zitronensaft. Ist er zu spitz, gleicht ein Löffel Zucker aus. Die Kakaonote soll nur da sein, nicht führen.

Erst jetzt wird das Kirschwasser eingerührt. Der Punsch wird nicht mehr erhitzt. Zum Servieren kommen die Kirschen in die Becher, der Punsch darüber. Schokoraspel und Rosmarin sind optional, aber stimmig.

Typische Fehler und wie man sie rettet

  • Ist er zu süß, hilft Zitronensaft oder ein Schuss Apfelsaft.
  • Schmeckt er flach, fehlt meist Säure oder Geduld, nicht Alkohol.

Varianten und Tipps

  • Ohne Alkohol funktioniert der Punsch mit schwarzem Tee und Traubensaft sehr gut.
  • Mit Zimt vorsichtig sein, er wird schnell dominant.
  • Der Punsch lässt sich gut vorbereiten und sanft wieder erwärmen.

Heinz Tipp

  • Wenn es nach Medizin riecht, war er zu heiß oder zu lange gezogen.