Wenn das alte Jahr langsam aus der Stube schleicht und draußen noch der Rauch von den letzten Böllern hängt, dann war bei uns früher immer Röllchenzeit. Nicht zwischen Tür und Angel, sondern mit Bedacht. Am Neujahrstag wurde nicht geschniegelt gekocht, da wurde gebacken, geredet, gelacht. Das Eisen lag schon am Vorabend bereit, geschniegelt wie ein Sonntagshemd, und die Butter stand kühl, damit sie nicht beleidigt wird.
Neujahrsröllchen waren kein Naschwerk für nebenbei. Die hat man gemacht, weil man Zeit hatte – und weil man wusste, dass sie nur dann gelingen, wenn man dabei bleibt. Das erste Röllchen war fast immer zu dunkel, das zweite zu weich, das dritte hat man schon gerollt wie aus dem Lehrbuch.
Und dann ging’s. Einer backt, einer rollt, einer stiehlt sich heimlich das erste fertige Stück.
Der Duft war unverkennbar: Butter, Vanille, ein Hauch Zitrone. Kein Zimt, kein Schnickschnack. Die Röllchen mussten dünn sein, fast durchsichtig, aber nicht brüchig. Warm gerollt, kalt knusprig. Und wer zu langsam war, hat halt flache Waffeln gegessen – die waren auch gut.
Heute meint man ja oft, für alles brauche man Maschinen, Silikon und Rezepte mit drei Seiten Erklärung. Dabei braucht’s hier nur ein gutes Eisen, ruhige Hände und die Einsicht, dass man nicht gleichzeitig telefoniert, wenn man Röllchen backt. Das ist Arbeit für die Küche, nicht fürs Wohnzimmer. Aber wer sich drauf einlässt, hat am Ende etwas auf dem Teller, das mehr ist als Gebäck: ein Stück Jahresanfang, zum Anbeißen.
Zutaten:
• 125 g Butter
• 125 g Zucker
• 2 Eier (mittelgroß)
• 125 g Weizenmehl, glatt
• 1 Päckchen Vanillezucker
• 1 Prise Salz
• Abgeriebene Schale von ½ Bio-Zitrone
• Etwas Butter fürs Eisen
Zubereitung:
Zuerst wird die Butter weichgerührt, nicht geschmolzen. Wenn sie glänzt und keine Klümpchen mehr hat, kommt der Zucker dazu und wird schaumig geschlagen, bis die Masse hell wird und leise knirscht. Dann werden die Eier nacheinander untergerührt, jedes so lange, bis es sich vollständig verbunden hat.
Jetzt kommen Vanillezucker, Salz und Zitronenschale dazu, danach das Mehl. Alles wird glatt verrührt, nicht länger als nötig – der Teig soll dickflüssig sein und langsam vom Löffel fallen. Wenn er zu fest ist, einen Esslöffel Milch einarbeiten.
Das Röllcheneisen wird vorgeheizt und hauchdünn gebuttert. Pro Röllchen reicht ein kleiner Löffel Teig. Eisen schließen, nicht drücken, und backen, bis die Waffel hellgolden ist und fein duftet. Wenn sie raucht, war’s zu heiß.
Die fertige Waffel wird sofort abgenommen und auf einem Holzlöffelstiel oder Röllchenholz engerollt. Jetzt zählt die Zeit: Nach wenigen Sekunden wird sie spröde. Wer zu langsam ist, lässt sie flach – schmeckt auch.
Die fertigen Röllchen vollständig auskühlen lassen, dann werden sie knusprig. In einer Blechdose halten sie sich gut zwei Wochen, wenn keiner vorher dran geht.
Typische Fehler & Rettung
• Röllchen reißen beim Rollen: Eisen war zu heiß oder die Waffel zu dünn gebacken – beim nächsten etwas kürzer backen.
• Waffeln werden weich: Zu wenig gebacken oder in geschlossener Dose gelagert, solange sie noch warm waren – offen auskühlen lassen.
• Teig läuft auseinander: Zu weich – einen Löffel Mehl einrühren und fünf Minuten stehen lassen.
Varianten & Tipps
• Mit 1 Esslöffel Kakao wird’s schokoladig, dann etwas weniger Mehl nehmen
• Mit einem Teelöffel Orangenlikör bekommen sie eine feine Note
• Mit geschlagener Sahne oder Vanillecreme gefüllt sind sie ein einfaches Festtagsdessert
• Flache Waffeln kann man brechen und als Krokant über Eis streuen
Gretes Tipp: Röllchen backt man nicht nebenbei – wer sich Zeit nimmt, hat am Ende das bessere Gebäck und die ruhigeren Nerven.
