Dieser Punsch ist nichts für Kindergeburtstage und auch keiner für Leute, die es nur süß mögen. Der Rum ist hochprozentig, nicht zum Angeben, sondern weil er Geschmack trägt.
Niedriger Alkohol verdünnt nur, hoher Alkohol bringt Tiefe – wenn man ihn richtig behandelt. Genau deshalb wird hier nicht gekocht wie wild. Alkohol braucht Hitze, aber keine Gewalt. Zu viel Temperatur, und der schöne Duft verfliegt schneller als der Vorsatz fürs neue Jahr.
Man merkt schnell, warum dieser Punsch seit Jahrzehnten in ähnlicher Form durch Küchen wandert. Er ist logisch aufgebaut. Erst die Frucht, dann die Würze, zum Schluss der Alkohol. Die Süße kommt nicht aus Sirup, sondern aus Saft und Schale. Die Säure hält das Ganze wach, damit der Rum nicht breittritt. Wenn der Topf leise vor sich hin dampft, riecht die Küche nach Orange, Zimt und einem Hauch Melasse. Kein Parfum, sondern ehrlich warm.
Der Vorteil an diesem Punsch: Er lässt sich vorbereiten. Er steht da, hält Temperatur, und verzeiht Wartezeit. Wenn jemand zu spät kommt, ist er besser als vorher. Wenn jemand früher geht, ist noch genug da. Er braucht keine Aufmerksamkeit mehr, nur ab und zu einen Löffel zum Kosten. Und genau das macht ihn zum richtigen Getränk für eine Nacht, in der sowieso keiner einen Plan einhält.
Wichtig ist nur, dass man weiß, was man tut. Hochprozentiger Rum ist kein Spielzeug. Er kommt nicht in kochende Flüssigkeit und nicht in unruhige Hände. Wer das beherzigt, bekommt einen Punsch, der nicht brennt, sondern wärmt. Der nicht klebt, sondern rund ist. Und der um Mitternacht genau richtig steht – weder müde noch scharf, sondern bereit für ein neues Jahr, das erst einmal nur eines sein soll: warm.
Zutaten für ca. 8 Tassen:
• 1,5 l naturtrüber Apfelsaft
• 500 ml Orangensaft, frisch oder guter Direktsaft
• Schale von 2 unbehandelten Orangen
• 2 Zimtstangen
• 6 Nelken
• 1 Vanilleschote
• 80 g brauner Zucker
• 250 ml hochprozentiger dunkler Rum (mindestens 54 %)
• 1 Bio-Zitrone, Saft
Zubereitung – Schritt für Schritt:
Apfel- und Orangensaft kommen in einen schweren Topf, am besten mit dickem Boden. Die Orangenschalen werden mit dem Sparschäler dünn abgezogen, ohne das Weiße, denn das macht bitter. Zimtstangen, Nelken und die längs aufgeschlitzte Vanilleschote wandern dazu. Der Zucker wird eingerührt, noch kalt, damit er sich langsam lösen kann.
Der Topf wird auf mittlere Hitze gestellt und langsam erwärmt. Wichtig ist, dass der Punsch nicht kocht. Sobald sich erste kleine Dampfwolken zeigen und es leise nach Gewürz riecht, wird die Hitze reduziert. Jetzt darf alles etwa 25 Minuten ziehen, knapp unter dem Siedepunkt. Wenn es blubbert, war es zu heiß – dann Hitze runter, Deckel kurz abnehmen, beruhigen lassen.
Nach der Ziehzeit wird der Topf vom Herd gezogen. Erst jetzt kommt der Rum dazu. Langsam eingießen und vorsichtig umrühren. So bleibt der Alkohol im Topf und im Geschmack. Zum Schluss wird der Zitronensaft untergerührt und der Punsch abschmecken. Fehlt Tiefe, hilft ein Hauch mehr Zucker. Ist er zu süß, ein Spritzer mehr Zitrone.
Der Punsch wird vor dem Servieren durch ein Sieb gegossen, damit Gewürze und Schalen nicht weiterziehen. Warm halten bei sehr kleiner Hitze oder im Thermotopf. Niemals wieder aufkochen – sonst bleibt vom Rum nur die Erinnerung.
Varianten & Tipps
• Statt Apfelsaft geht auch Traubensaft, dann wird es dunkler und schwerer.
• Wer es trockener mag, reduziert den Zucker auf 50 g und gibt mehr Zitrone dazu.
• Ein Stück frischer Ingwer bringt Schärfe, sollte aber nach 10 Minuten wieder entfernt werden.
• Für größere Runden lässt sich der Punsch gut verdoppeln, der Rum bleibt immer zuletzt.
