Klar · wach · Winterabend ohne Kitsch
Ein heller Glühwein mit nordischer Kante: trocken, würzig, nicht pappig. Wacholder, Zitrus und ein Schuss Gin geben Tiefe, ohne den Wein zu erschlagen. Für Abende, an denen es kalt ist, aber nicht süß sein muss.
Wenn es draußen früh dunkel wird und der Frost nicht laut, sondern hart daherkommt, dann passt kein schwerer Rotwein mehr in die Hand. Da will man etwas Helles, Warmes, das nicht müde macht. Weißer Glühwein hat lange den Ruf gehabt, bloß die süße Schwester vom Roten zu sein. Zu viel Zucker, zu viel Zimt, alles ein bisschen beliebig. Nordisch gedacht funktioniert das anders. Weniger Süße, klare Gewürze, Zitrusschale statt Nelkenkeule. Und ein sauberer Gin, der nicht prahlt, sondern ordnet.
In solchen Momenten ist die Küche ruhig. Kein Braten, kein Dampf, nur ein Topf, der leise arbeitet. Der Duft ist frisch, fast kühl: Orange, Zitrone, ein Hauch Wacholder. Der Wein darf warm werden, nicht heiß, sonst wird er breit und verliert seine Haltung. Der Gin kommt spät dazu, nicht um zu brennen, sondern um zu tragen. Das Ergebnis ist kein Weihnachtsmarktgetränk, sondern ein Glas, das man austrinkt, ohne klebrige Finger zu bekommen.
Der nordische Ansatz ist einfach: weniger Gewürze, dafür die richtigen. Kardamom statt Nelke, Ingwer statt Zimtstange im Übermaß. Honig nur so viel, dass die Säure rund wird. Der Wein bleibt erkennbar, der Gin macht den Rücken gerade. Das gelingt, weil nichts gekocht wird. Wärme ist hier Werkzeug, kein Effekt. Und genau deshalb ist der Glühwein am Ende klar im Geschmack und leicht im Kopf.
Das Getränk passt zu Abenden ohne Programm. Wenn jemand spät nach Hause kommt, wenn der Schnee knirscht oder der Regen seitlich fällt. Man stellt den Topf auf den Herd, lässt ihn ziehen, schenkt ein. Mehr braucht es nicht. Und wer keinen Gin will, lässt ihn weg – der Glühwein funktioniert trotzdem. Aber mit ihm bleibt er länger im Gedächtnis.
- Zutaten für ca. 6 Gläser:
- 750 ml trockener Weißwein
- 1 unbehandelte Orange
- 1 unbehandelte Zitrone
- 80 g Honig
- 10 g frischer Ingwer
- 4 Kardamomkapseln
- 6 Wacholderbeeren
- 1 kleines Stück Zimtstange
- 120 ml trockener Gin
Zubereitung – Schritt für Schritt:
Der Topf wird bei mittlerer Hitze langsam erwärmt. Wichtig ist, dass der Wein nicht kocht. Sobald feiner Dampf aufsteigt und der Duft klar wird, wird die Hitze reduziert. Jetzt zieht der Glühwein etwa 20 Minuten bei leiser Wärme. Wenn es anfängt zu blubbern, sofort vom Herd ziehen – verkochter Wein schmeckt flach und alkoholisch.
Nach der Ziehzeit wird der Topf vom Herd genommen. Erst jetzt kommt der Gin dazu. Kurz umrühren, nicht mehr erhitzen. Probieren und abschmecken: Ist er zu trocken, hilft ein Löffel Honig. Zu kräftig im Alkohol? Ein kleiner Schuss heißes Wasser beruhigt.
Vor dem Servieren wird der Glühwein durch ein Sieb gegossen, damit die Gewürze nicht weiterziehen. In vorgewärmte Gläser füllen und sofort trinken.
Typische Fehler und wie man sie rettet:
Varianten & Tipps:
Heinz’ Tipp: Wenn der Glühwein nach Medizin riecht, war er zu heiß – dann lieber neu ansetzen, als sich durchquälen.
