Zweiter-Abend-Glühwein – mild und ruhig

Ruhig · warm · Weihnachtszeit ohne Nachdruck

Dieser Glühwein ist für den Abend nach dem großen Essen gedacht. Wenn man satt ist, die Stimmen leiser werden und niemand mehr überrascht werden will. Er wärmt, ohne zu fordern, und bleibt auch im zweiten Glas freundlich.

Der zweite Weihnachtsabend hat einen eigenen Rhythmus. Die großen Abläufe sind erledigt, der Tisch ist abgeräumt, das Haus kennt die Geräusche inzwischen. Man sitzt anders, lehnt sich zurück, hört mehr zu. In der Küche läuft nichts mehr auf Anschlag, nur ein Topf steht auf dem Herd und hält die Temperatur. Genau dafür ist dieser Glühwein gemacht.

Er ist kein Marktgetränk und kein Dessert. Er will nichts überdecken und nichts beweisen.

 Der Wein bleibt erkennbar, die Gewürze begleiten nur. Orange bringt Frische, Zimt Wärme, Nelke Tiefe. Alles zusammen ergibt einen Duft, der den Raum füllt, ohne laut zu werden. Der Alkohol trägt, aber drängt sich nicht vor. Man merkt ihn, aber man denkt nicht über ihn nach.

Früher war dieser Glühwein oft der letzte Programmpunkt des Tages. Nicht geplant, sondern selbstverständlich. Wenn draußen die Dunkelheit dichter wurde und drinnen das Licht weicher, kam der Topf noch einmal auf den Herd. Kein großes Umrühren, kein Abschmecken im Minutentakt. Man wusste, was drin war, und man wusste, dass es funktioniert, wenn man ihn in Ruhe ließ.

Entscheidend ist die Hitze. Glühwein verträgt keine Eile. Sobald er kocht, verliert er seine Tiefe. Die Gewürze werden scharf, der Wein flach. Bleibt die Temperatur niedrig, verbinden sich die Aromen langsam, und genau das macht ihn rund. Süße kommt spät dazu und nur so viel, dass nichts kantig bleibt.

Dieser Glühwein passt zu Gesprächen, die nicht mehr zu Ende geführt werden müssen. Zu Keksen, die man eigentlich nicht mehr braucht. Zu einem Abend, der ausklingt, ohne dass jemand darauf achtet. So soll der zweite Weihnachtsabend schmecken.

Zweiter-Abend-Glühwein - sanft erwärmt, würzig und zurückhaltend

  • 1 l trockener Rotwein
  • 1 unbehandelte Orange
  • 2–3 Esslöffel Zucker oder Honig
  • 100 ml Wasser
  • 1 Zimtstange
  • 3 Nelken
  • 1 kleines Stück Sternanis
  • optional ein dünnes Stück frischer Ingwer

Der Rotwein wird zusammen mit dem Wasser in einen Topf gegeben. Die Orange wird heiß gewaschen, die Schale dünn abgeschält. Das Weiße darunter bleibt draußen, sonst wird der Glühwein bitter. Ein paar Spritzer Saft aus der Orange kommen dazu, mehr braucht es nicht.

Zimt, Nelken, Sternanis und optional der Ingwer wandern in den Topf. Der Ansatz wird bei niedriger Hitze sanft erwärmt. Er darf heiß werden, aber nicht kochen. Steigt leichter Dampf auf und zeigen sich erste kleine Bläschen am Rand, passt die Temperatur. Jetzt heißt es warten. Der Glühwein zieht etwa zwanzig Minuten und wird gelegentlich umgerührt.

Erst danach wird abgeschmeckt. Der Zucker oder Honig kommt löffelweise dazu. Ziel ist keine Süße, sondern Rundung. Nach jedem Löffel kurz warten, noch einmal probieren. Wird zu früh gesüßt, verliert man das Gefühl für die Gewürze.

Vor dem Servieren werden die festen Gewürze entfernt. Der Glühwein wird noch einmal vorsichtig erwärmt und direkt ausgeschenkt. Langes Warmhalten auf hoher Hitze schadet dem Geschmack.

Typische Fehler und wie man sie rettet

  • Kocht der Glühwein, hilft nur: Hitze sofort runter und ein kleiner Schuss frischer Rotwein.
  • Ist er zu süß geraten, gleicht ein Spritzer Zitronen- oder Orangensaft aus.
  • Wirkt er flach, fehlte meist Zeit – einfach noch ein paar Minuten ziehen lassen, ohne Hitze.

Varianten und Tipps

  • Mit einem kleinen Anteil Traubensaft wird der Glühwein noch milder.
  • Alkoholfrei funktioniert der Ansatz mit dunklem Traubensaft, dann die Gewürze etwas reduzieren.
  • Am nächsten Tag vorsichtig wieder erwärmt schmeckt er oft sogar runder.