Omas Heiligabend

Klassischer Hauspunsch, wie er den Abend zusammenhält.

Wenn der Heilige Abend langsam dunkler wird und draußen der Schnee nicht weiß, sondern grau klingt, dann ist es Zeit für Dinge, die nicht erklären wollen, sondern funktionieren. In solchen Küchenmomenten wurde dieser Punsch immer gemacht. Nicht geplant, nicht abgemessen wie im Labor, sondern aus Erfahrung, Vorrat und dem Wissen, dass Wärme mehr ist als Temperatur. Der Topf stand schon früh auf dem Herd, lange bevor jemand fror. Äpfel lagen noch vom Herbst im Keller, Orangen kamen aus der Kiste vom Markt, Gewürze rochen schon beim Öffnen der Schublade nach Winter. Kein Gedränge, kein Glanz – nur Zeit.

Dieser Punsch gehört nicht auf Weihnachtsmärkte und auch nicht in Gläser mit Deko. Er gehört in dickwandige Becher, in Hände, die ein bisschen kalt sind, und auf einen Herd, der leise arbeitet. Er ist nicht süß um der Süße willen, sondern rund. Die Säure der Orange hält ihn wach, der Apfel gibt Körper, Zimt und Nelke sorgen für Tiefe, und der Alkohol ist da, um alles zusammenzubinden – nicht um laut zu werden. Genau deshalb gelingt er. Nichts kocht, nichts brennt an, nichts muss gerettet werden, wenn man ihm Zeit lässt.

Der Duft verändert sich langsam. Erst Apfel, dann Orange, dann kommt die Würze. Kein Punkt, an dem man nervös rühren müsste. Der Punsch zieht, sammelt sich, wird ruhiger. Wer zu früh probiert, findet ihn dünn. Wer wartet, versteht ihn. Er ist ein Getränk für Abende, an denen niemand fragt, wie spät es ist. Und genau dafür wurde er immer gemacht: damit der Abend bleibt, wo er ist.

Zutaten für ca. 8 Becher:

• 1 l naturtrüber Apfelsaft
• 500 ml Orangensaft, frisch gepresst oder guter Saft
• 500 ml trockener Rotwein
• 120 g Zucker
• 2 Bio-Orangen
• 2 Zimtstangen
• 5 Nelken
• 1 Stück Zitronenschale (ca. 3 cm)
• 150 ml brauner Rum oder Korn

Zubereitung – Schritt für Schritt:

Apfelsaft, Orangensaft und Rotwein kommen gemeinsam in einen großen Topf. Die Hitze bleibt von Anfang an mäßig, damit nichts scharf wird. Zucker einrühren, bis er sich auflöst. Die Orangen heiß abwaschen, eine davon in Scheiben schneiden, die andere nur die Schale dünn abschälen – ohne das Weiße, das macht bitter. Orangenscheiben, Schalen, Zimtstangen, Nelken und Zitronenschale in den Topf geben.

Jetzt ist Geduld gefragt. Der Punsch darf erhitzen, aber nicht kochen. Wenn am Rand erste kleine Bewegungen zu sehen sind und der Duft kräftig wird, die Hitze weiter reduzieren. Etwa 25–30 Minuten ziehen lassen. Wenn es zu stark dampft, ist es zu heiß – Hitze runter, Deckel leicht schräg auflegen. Zwischendurch einmal kosten. Schmeckt er noch flach, braucht er Zeit, nicht Zucker.

Erst ganz zum Schluss den Alkohol zugeben und den Topf vom Herd ziehen. Nicht mehr aufkochen, sonst verfliegt, was bleiben soll. Kurz stehen lassen, dann die Gewürze herausfischen. Abschließend abschmecken: Ist er zu süß, hilft ein Spritzer Zitronensaft. Ist er zu kräftig, etwas heißes Wasser oder Apfelsaft zugeben.

Varianten & Tipps:

• Statt Rotwein funktioniert auch Apfelmost für eine leichtere, rustikale Version.
• Wer es dunkler mag, nimmt einen Teil Orangensaft raus und ersetzt ihn durch Kirschsaft.
• Für Gäste, die später kommen: Punsch ohne Alkohol warmhalten, Schuss erst im Becher zugeben