Einfach · dunkel · ohne Aufhebens
Glühwein ist kein Trendgetränk. Der war schon da, bevor jemand angefangen hat, ihm Namen zu geben. Früher stand der Topf auf dem Herd, weil es kalt war. Nicht, weil Besuch angekündigt war, nicht, weil man etwas feiern wollte. Es war Winter, also wurde etwas Warmes gemacht. So einfach ist das.
Wenn es draußen früh dunkel wird und die Kälte nicht mehr nur an den Fingern sitzt, sondern langsam in den Knochen bleibt, dann hilft nichts, was hektisch ist. Dann braucht es etwas, das Zeit hat. Glühwein ist genau so ein Ding. Der funktioniert nicht, wenn man ihn treibt. Der braucht Ruhe, sonst schmeckt er nach Alkohol und Ungeduld.
Heinz hat Glühwein immer als Prüfstein gesehen. Nicht für Kreativität, sondern für Handwerk.
Wer glaubt, man müsse da viel reinwerfen, hat das Prinzip nicht verstanden. Ein ordentlicher Rotwein, ein paar Gewürze, Zucker nach Gefühl – und vor allem: die richtige Temperatur. Alles andere ist Beiwerk.
Der Moment, in dem der Duft langsam aus dem Topf steigt, ist entscheidend. Nicht scharf, nicht süßlich, sondern warm. Zimt, ein Hauch Nelke, Orange im Hintergrund. Wenn man die Nase drüber hält und nichts sticht, dann passt es. Dann lässt man ihn in Ruhe ziehen und greift nicht mehr dauernd rein.
Dieser Glühwein ist die Grundlage für alles Weitere. Wer den beherrscht, kann später variieren. Wer ihn nicht sauber hinkriegt, sollte erst mal lernen, nichts kaputtzumachen. Es ist kein Getränk für große Gesten. Es ist eins für leise Abende, für nasse Jacken an der Tür und für Gespräche, die langsamer werden.
Klassischer roter Glühwein - schonend erhitzt, ruhig gezogen
- 750 ml trockener Rotwein
- 1 Bio-Orange
- 60–80 g Zucker
- 2 Zimtstangen
- 4 Gewürznelken
- 1 Streifen Zitronenschale
- optional 1 Sternanis
Der Rotwein kommt in einen schweren Topf. Die Orange wird heiß gewaschen, dann wird ein Teil der Schale dünn abgeschält. Wichtig ist, dass kein weißer Rand mitkommt, der macht den Glühwein bitter. Die Orange selbst bleibt ganz, Saft braucht es hier nicht.
Zucker, Orangenschale und Gewürze kommen in den Wein. Jetzt wird langsam erhitzt. Nicht aufdrehen, nicht beschleunigen. Der Wein soll warm werden, nicht kochen. Ideal sind etwa siebzig bis fünfundsiebzig Grad. Sobald der Duft deutlich wird und sich leichter Dampf zeigt, ist die Temperatur richtig.
Der Topf bleibt auf kleinster Hitze oder wird vom Herd gezogen. Jetzt zieht der Glühwein mindestens zwanzig Minuten. Einmal vorsichtig umrühren reicht. Mehr Bewegung bringt nichts.
Vor dem Servieren wird probiert. Ist er zu wenig süß, kommt noch etwas Zucker dazu. Ist er zu flach, darf er noch ein paar Minuten ziehen. Kochen ist keine Lösung. Die Gewürze werden vor dem Einschenken entfernt, damit der Geschmack im Glas stabil bleibt.
Typische Fehler und wie man sie rettet
- Riecht es stechend, war der Wein zu heiß – dann hilft nur Abkühlen lassen.
- Wird er bitter, war zu viel Schale drin – mit etwas Zucker abmildern.
- Schmeckt er dünn, braucht er Zeit, nicht mehr Gewürz.
Varianten und Tipps
- Mit einem Stück Vanille wird der Glühwein runder.
- Getrocknete Kirschen geben Tiefe, wenn man es fruchtiger mag.
- Für größere Mengen alles im gleichen Verhältnis hochziehen.
Heinzens Tipp
- Glühwein darf warten – wer ihn treibt, trinkt ihn allein.