Orangenlikör aus Schalen

Winterlich · ruhig · Hausbar mit Geduld

Dieser Orangenlikör ist ein Winterstück. Er lebt nicht vom Saft, sondern von der Schale. Genau das macht ihn februar­tauglich. Orangen gibt es jetzt reichlich, sie liegen schwer in der Hand, duften schon beim Schälen, und ihre Schalen tragen mehr Aroma als man glaubt. Wer im Februar einen Likör ansetzt, muss lernen, mit dem zu arbeiten, was da ist. Und da ist die Orange verlässlich.

Nach dem Essen passt dieser Likör gut, wenn es nicht zu süß sein soll. Er ist warm, leicht bitter, klar im Geschmack. Kein Feriengetränk, kein Sommerding. Eher etwas für den Moment, wenn der Tisch abgeräumt ist und man noch sitzen bleibt. Ein kleines Glas, nicht mehr. Die Schale gibt Tiefe, der Alkohol trägt, der Zucker hält alles zusammen.

Wichtig ist die Ruhe. Die Schalen dürfen nicht mit Gewalt behandelt werden. Kein Weißes dranlassen, keine Hast beim Abziehen. Was bitter ist, wird mit der Zeit nicht besser. Was sauber angesetzt ist, wird rund.

Orangenlikör - aus Schalen gezogen, winterlich gereift

  • 4 unbehandelte Orangen
  • 500 ml Korn oder Wodka
  • 250 g Zucker
  • 250 ml Wasser
  • 1 kleine Zimtstange

Die Orangen werden heiß gewaschen und gründlich abgetrocknet. Mit einem Sparschäler wird nur die äußere Schale abgezogen, das Weiße bleibt konsequent dran. Die Schalen kommen in ein großes Glas, der Alkohol wird aufgegossen, bis alles bedeckt ist. Die Zimtstange kommt dazu, dann wird das Glas verschlossen.

Der Ansatz steht drei bis vier Wochen bei Zimmertemperatur. Alle paar Tage wird das Glas leicht geschwenkt. Schütteln ist nicht nötig. Der Duft wird mit der Zeit runder, die Farbe kräftiger.

Nach der Ziehzeit wird die Flüssigkeit abgeseiht. Zucker und Wasser werden aufgekocht, bis sich alles gelöst hat. Der Sirup muss vollständig abkühlen, bevor er mit dem Orangenansatz vermischt wird. Danach wird der Likör abgefüllt und mindestens vier Wochen ruhig gestellt.

Typische Fehler und wie man sie rettet

  • Zu viel weiße Schale macht den Likör bitter, Zeit hilft hier nur begrenzt.
  • Ist er zu süß, kann man vorsichtig mit Alkohol strecken.
  • Fehlt Frische, hilft ein kleines Stück Zitronenschale beim Nachziehen.

Varianten und Tipps

  • Ohne Zimt wird der Likör klarer und trockener.
  • Mit etwas Vanille bekommt er mehr Tiefe.
  • Dunkler Zucker macht ihn schwerer und wärmer.
  • Kühl gelagert hält er problemlos ein Jahr und länger.

Heinz Tipp

  • Wenn die Küche beim Abziehen gut riecht, passt’s - wenn nicht, war zu viel Weißes dran.